{"id":1177,"date":"2026-06-25T16:15:27","date_gmt":"2026-06-25T16:15:27","guid":{"rendered":"https:\/\/egzakt.eu\/j\/?page_id=1177"},"modified":"2026-06-25T17:06:44","modified_gmt":"2026-06-25T17:06:44","slug":"offene-unterrichtsformen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/egzakt.eu\/j\/offene-unterrichtsformen\/","title":{"rendered":"Offene Unterrichtsformen"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-post-date\"><time datetime=\"2026-06-25T16:15:27+00:00\">2026. j\u00fan. 25.<\/time><\/div>\n\n<div class=\"wp-block-post-author\"><div class=\"wp-block-post-author__content\"><p class=\"wp-block-post-author__name\"><a href=\"https:\/\/egzakt.eu\/j\/author\/im\/\" target=\"_self\">Icha M\u00e1ria<\/a><\/p><p class=\"wp-block-post-author__bio\">Pedag\u00f3gus; oktat\u00e1skutat\u00f3, f\u00f3kuszter\u00fclete az innovat\u00edv oktat\u00e1s; Microsoft Innovative Educator Expert (MIEE).<\/p><\/div><\/div>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir leben in einer Zeit der Handy- und Internetsucht. Die Angst, etwas zu verpassen (FOMO) und die sofortige Verf\u00fcgbarkeit von Informationen haben uns darauf konditioniert, kontinuierlich nach neuen Reizen zu suchen. Infolgedessen ist es heutzutage eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr Sch\u00fclerInnen \u2013 und auch f\u00fcr Erwachsene \u2013 45 Minuten lang still zu sitzen und sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Es ist entscheidend, dass Lehrpersonen sich flexibel an die jeweiligen Bedingungen anpassen und sich engagiert daf\u00fcr einsetzen, die Lernenden f\u00fcr das Lernen zu begeistern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hierf\u00fcr bieten offene Unterrichtsformen den Sch\u00fclerInnen ausreichend Freiheit und Abwechslung w\u00e4hrend der Stunde, sodass die geplanten Themen und dazugeh\u00f6renden Inhalte effektiv vermittelt werden k\u00f6nnen. Es kann eine entdeckende, handlungsorientierte, probleml\u00f6sende Unterrichtsstunde geplant werden und zusammen mit der Methodenvielfalt wird ein abwechslungsreicher, interessanter und erfrischender Unterricht garantiert. Hinsichtlich der Materialien, der Inhalte, der Ergebnisse, der Lernwege, etc. gibt es auch eine Offenheit. Insbesondere der Fremdsprachenunterricht m\u00f6glichkcht es uns, sehr kreativ auf die Bed\u00fcrfnisse der Lernenden einzugehen, vor allem wenn sie Entscheidungsrechte bekommen. Die Sch\u00fclerInnen entscheiden sich zusammen mit der Lehrperson zum Beispiel \u00fcber die Lernzeit und den Lerninhalt. Sie \u00fcbernehmen auch Verantwortungen, und dadurch wird unter anderem ihre Entscheidungsf\u00e4higkeit trainiert. Offener Unterricht f\u00f6rdert im Allgemeinen die Kommunikations-, Methoden-, Sozial- und auch Handlungskompetenz, sowie die Selbstst\u00e4ndigkeit, die Kreativit\u00e4t, die kognitiven F\u00e4higkeiten und erm\u00f6glicht eine unaufdringliche Differenzierung und eine individuelle Lernf\u00f6rderung, w\u00e4hrend die Sch\u00fclerInnen konsequent in den Mittelpunkt gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><a>Der Begriff des Offenen Unterrichts<\/a><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst der Begriff ist derart offen, dass es daf\u00fcr keine einheitliche Definition in der Fachliteratur gibt. Das k\u00f6nnte auch der Grund sein, dass individualisierter Unterricht \u00f6fter mit dem Konzept des Offenen Unterrichts in Verbindung gebracht wird (Breidenstein et al. 2017, Heinzel\u2013Koch 2017). Im Rahmen eines individualisierten Unterrichts bekommen Sch\u00fclerInnen die M\u00f6glichkeit, an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten zu k\u00f6nnen (Breidenstein et al. 2017), und das kann den Eindruck von Offenheit erwecken. Falls diese Aufgaben von der Lehrperson vorgegeben werden, dann sind sie fremdbestimmt (Rabenstein\u2013Steinwald\u2013Strau\u00df 2023). \u201eSomit erm\u00f6glicht \u00d6ffnung von Unterricht zwar Individualisierung, jedoch ist individualisierter Unterricht nicht gleich ge\u00f6ffneter Unterricht.\u201c (Hubner 2024)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Wallrabenstein (1994) ist offener Unterricht ein Sammelbegriff \u201ef\u00fcr unterschiedliche Reformans\u00e4tze in vielf\u00e4ltigen Formen inhaltlicher, methodischer und organisatorischer \u00d6ffnung mit dem Ziel eines ver\u00e4nderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines ver\u00e4nderten Lernbegriffs\u201c. Fischer (2008) meint: \u201eder Grad der Mit- bzw. Selbstbestimmung wird hier zum entscheidenden Kriterium: je freier die Sch\u00fcler dar\u00fcber entscheiden d\u00fcrfen, wann sie was und wie sie lernen m\u00f6chten, umso offener kann ein Unterricht beurteilt werden\u201c. Br\u00fcgelmann (1997) spricht \u00fcber drei Dimensionen der \u00d6ffnung: a) \u201e\u00d6ffnung des Unterrichts f\u00fcr Unterschiede zwischen den Kindern \u2013 methodisch-organisatorische \u00d6ffnung, b) \u00d6ffnung zur pers\u00f6nlichen Erfahrungswelt der Kinder \u2013 didaktisch-inhaltliche \u00d6ffnung von Unterricht, c) \u00d6ffnung zur Mitwirkung an und Mitverantwortung von Entscheidungen \u2013 p\u00e4dagogisch-politische \u00d6ffnung der Schule\u201c. Nach seiner Auffassung geht es also darum, dass wir die Unterschiede zwischen den Sch\u00fclern beachten und nach Menge, Inhalt und Dauer der Aufgaben differenzieren sollten, sowie nach Sozialformen, Methoden und Schwierigkeitsgrad. Wenn wir die Sch\u00fclerInnen durch eigene Erfahrungen lernen lassen, f\u00f6rdern wir auch ihr selbstst\u00e4ndiges Denken. Anders als im traditionellen Unterricht sollten die Lernenden ihre eigenen Meinungen \u00f6fter \u00e4u\u00dfern d\u00fcrfen und bei der Planung der Aufgaben ein Entscheidungsrecht haben. Es wird das entdeckende, probleml\u00f6sende Lernen in den Vordergrund gestellt. Die Sch\u00fclerInnen bestimmen beispielsweise sowohl die Lernzeit als auch den Lerninhalt mit und \u00fcbernehmen dabei Verantwortung. Dadurch werden unter anderem ihre Entscheidungsf\u00e4higkeit sowie ihre Handlungsorientierung gef\u00f6rdert. Peschel (2006) hat in Bezug auf die Intensit\u00e4t der Offenheit in den unterschiedlichen Lernformen folgende Dimensionen ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>organisatorische Offenheit<\/td><td>Bestimmung der Rahmenbedingungen, wie Raum, Zeit, Sozialformwahl, etc.<\/td><\/tr><tr><td>methodische Offenheit<\/td><td>Bestimmung des Lernweges auf Seiten der Sch\u00fclerInnen<\/td><\/tr><tr><td>inhaltliche Offenheit<\/td><td>Bestimmung des Lernstoffes innerhalb der offenen Lehrplanvorgabe<\/td><\/tr><tr><td>soziale Offenheit<\/td><td>Bestimmung von Entscheidungen bez\u00fcglich der Klassenf\u00fchrung bzw. des gesamten Unterrichts, der Unterrichtsplanung, des konkreten Unterrichtsverlaufes. Bestimmungen des sozialen Miteinanders bez\u00fcglich der Rahmenbedingungen oder dem Erstellen von Regeln.<\/td><\/tr><tr><td>pers\u00f6nliche Offenheit<\/td><td>Beziehung zwischen LehrerInnen und Sch\u00fclerInnen, zwischen Sch\u00fclerInnen und Sch\u00fclerInnen&nbsp;&nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Tabelle 1: Dimensionen von offenem Unterricht (vgl. Peschel, 2006. S.77)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich wie Br\u00fcgelmann vertritt auch Peschel die Auffassung, dass die offenen Unterrichtsformen freie Wahl in Hinsicht auf Lernzeit, Lernort und Sozialform (Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit) bieten. Dabei wird Wert auf die Meinung der Sch\u00fclerInnen bez\u00fcglich des Lernstoffes, des Unterrichtsverlaufes, der Regeln und der Klassenprogramme gelegt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jede Lehrkraft verf\u00fcgt \u00fcber eigene Vorstellungen und vielf\u00e4ltige Konzepte, um ihre Unterrichtsstunde offen zu gestalten. Meiner Ansicht nach kann der Oberbegriff \u201eoffener Unterricht\u201c individuell interpretiert werden. Er bietet sogar die M\u00f6glichkeit, ihn zu erg\u00e4nzen, zu ver\u00e4ndern und in unsere eigenen Ideen zu integrieren, solange die Lernenden im Mittelpunkt stehen und ihnen Bewegungsfreiheit sowie Selbstbestimmungsrecht gew\u00e4hrt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"https:\/\/egzakt.eu\/j\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322c2593-3ee3-4470-9cbe-c473a6e4cc7f-1024x512.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1168\" srcset=\"https:\/\/egzakt.eu\/j\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322c2593-3ee3-4470-9cbe-c473a6e4cc7f-1024x512.jpeg 1024w, https:\/\/egzakt.eu\/j\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322c2593-3ee3-4470-9cbe-c473a6e4cc7f-300x150.jpeg 300w, https:\/\/egzakt.eu\/j\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322c2593-3ee3-4470-9cbe-c473a6e4cc7f-768x384.jpeg 768w, https:\/\/egzakt.eu\/j\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322c2593-3ee3-4470-9cbe-c473a6e4cc7f-1536x768.jpeg 1536w, https:\/\/egzakt.eu\/j\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/322c2593-3ee3-4470-9cbe-c473a6e4cc7f-2048x1024.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><a>Organisationsformen<\/a><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beispiele f\u00fcr offenen Unterricht sind: Freiarbeit, Lerntheke, materialgeleitetes Lernen, Projektunterricht, Stationenlernen (auch als Lernzirkel bekannt), Tages- und Wochenplanarbeit, Werkstattlernen, kooperative Lernformen, entdeckendes Lernen, forschendes Lernen, Lernen durch Lehren (LdL), selbstbestimmtes Lernen. Einige dieser Methoden m\u00f6chte ich im Folgenden kurz vorstellen.<\/p>\n\n\n\n<ol style=\"list-style-type:upper-alpha\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Freiarbeit &#8211;&nbsp;<\/strong>\u201eHilf mir, es selbst zu tun!\u201c (Montessori)<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freiarbeit wurde schon Anfang des 20. Jahrhunderts durch Maria Montessori ins Leben gerufen, indem die Kinder selbst entscheiden k\u00f6nnen, womit sie sich besch\u00e4ftigen m\u00f6chten, sie bestimmen selbst den Arbeitsrhythmus, die Lernzeit, die Sozialform. Die Entscheidungen werden von Lehrpersonen nicht beeinflusst, sie kommen allein von den Kindern. Die Erzieher unterst\u00fctzen und helfen den Lernenden bei ihrer Entwicklung, denn es wird in erster Linie die Bed\u00fcrfnisse des Kindes ber\u00fccksichtigt. (vgl. montessori.de)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Prinzipien der P\u00e4dagogik von Montessori lauten:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>das Kind in seiner Pers\u00f6nlichkeit achten und es als vollwertigen Menschen sehen<\/li>\n\n\n\n<li>seinen Willen entwickeln helfen, indem man seine freien Entscheidungen unterst\u00fctzt; ihm helfen, selbst\u00e4ndig zu denken und zu handeln<\/li>\n\n\n\n<li>ihm Gelegenheit bieten, dem eigenen Lernbed\u00fcrfnis nachzugehen<\/li>\n\n\n\n<li>ihm helfen, Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden (vgl. montessori.de)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Freiarbeit hilft den Kindern, selbst Entscheidungen zu treffen in Hinsicht auf Arbeitsinhalte, Arbeitsmittel, Lernziele, Dauer des Lernens, Wahl, ob sie allein oder zusammen mit den anderen arbeiten m\u00f6chten. Die Arbeitsmaterialien regen fast alle Sinne an und laden zum handlungsorientierten Lernen ein. Es entwickeln sich dabei das Sozialverhalten, die Kommunikation, die kognitiven Funktionen, sowie die Kreativit\u00e4t der Kinder. Meiner Meinung nach sollte zwischen freier Arbeit und gesteuerten Besch\u00e4ftigungen das Gleichgewicht bewahrt werden. (Icha, 2017)<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Lerntheke<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lerntheke kann im Klassenzimmer auf einem Tisch, einem Regal oder in einem Schrank arrangiert werden oder in einem anderen Raum des Schulgeb\u00e4udes, beispielsweise in der Bibliothek oder im Lesezimmer, aufgestellt werden.&nbsp;&nbsp;Dabei ist es wesentlich, dass die Sch\u00fclerInnen jederzeit Zugang zu den Arbeitsmaterialien haben und diese in beliebiger Reihenfolge bearbeiten k\u00f6nnen. Es ist sinnvoll, die bereitliegenden Materialien \u00fcbersichtlich anzuordnen, zum Beispiel nach Klassen, Themen, Schwierigkeitsgraden oder Zeitaufwand. Indem die Lernenden ihr Wissen eigenst\u00e4ndig einsch\u00e4tzen und die entsprechenden Arbeitsbl\u00e4tter selbst ausw\u00e4hlen, f\u00f6rdern sie ihre Selbstst\u00e4ndigkeit sowie ihr Selbstvertrauen. Gearbeitet wird im eigenen Tempo, daher eignet sich diese Unterrichtsform besonders f\u00fcr die Einzelarbeit. W\u00e4hrend der Lernthekenarbeit ist die Lehrkraft der erste Ansprechpartner, sie geht auf Fragen einzelner Sch\u00fclerInnen ein, die von den anderen Kindern nicht beantwortet werden k\u00f6nnen. Zus\u00e4tzlich bietet die L\u00f6sung auf der R\u00fcckseite der Aufgabenbl\u00e4tter jederzeit eine Hilfestellung.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Tages- und Wochenplanarbeit<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich zur Freiarbeit werden hier die Lerninhalte und die dazugeh\u00f6renden Lernziele von den LehrerInnen festgelegt. Die Reihenfolge der Bearbeitung, das Arbeitstempo und der Lernort k\u00f6nnen hingegen von den Sch\u00fclerInnen selbst bestimmt werden. Diese Arbeitspl\u00e4ne sind \u201eeine Form der Interessen- und Leistungsdifferenzierung, bei der ein zwischen dem Lehrer und den Sch\u00fclern vereinbartes, zum Teil fakultatives Lernpensum in einem abgesteckten Zeitrahmen selbstst\u00e4ndig erarbeitet werden muss\u201c (Paradies\u2013Linser, 2001). Die Lernenden bearbeiten also die ausgew\u00e4hlten Themen innerhalb eines besprochenen Zeitraums. Daraus sind auch die Namen \u201eTagesplanarbeit\u201c \u2013 hier stehen 24 Stunden zur Verf\u00fcgung \u2013 und \u201eWochenplanarbeit\u201c \u2013 diese bietet zur L\u00f6sung 7 Tage Zeit an \u2013 entstanden. Durch diese Form der Aufgabenl\u00f6sung lernen die Sch\u00fclerInnen ihre Zeit einzuteilen, denn sie sollen eine ganze Woche im Voraus planen. Sie lernen, zwischen Pflicht- und Wahlaufgaben zu sortieren, gegebenenfalls Priorit\u00e4ten zu setzen. W\u00e4hrend der Woche k\u00f6nnen unerwartete Herausforderungen auftauchen, doch dadurch wird ihre Flexibilit\u00e4t gef\u00f6rdert. Die L\u00f6sungen k\u00f6nnen \u2013 je nach Besprechung \u2013 entweder mithilfe des L\u00f6sungsschl\u00fcssels oder von der Lehrperson kontrolliert werden. Diese Unterrichtsformen bieten eine gute Gelegenheit, individuell auf die Bed\u00fcrfnisse der Kinder einzugehen und zu differenzieren.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Projektunterricht<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Klein- und Mittelprojekte, die in einem Fach und innerhalb einer Klasse stattfinden, und Gro\u00dfprojekte, die l\u00e4nger dauern (Wochen, Monate oder auch Jahre lang) und an denen mehrere Klassen, die gesamte Schule oder sogar mehrere Schulen beteiligt sind. Frey (2000) hat sich den Projektablauf vorgestellt, wie folgt: man braucht erst eine Projektidee, danach kann man sich mit der Auseinandersetzung der Projektidee besch\u00e4ftigen und einen Projektplan erstellen. Nach der Durchf\u00fchrung des Projektes folgt die Projektpr\u00e4sentation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehrkraft bereitet die Informations- und Arbeitsbl\u00e4tter, sowie die Projekteinheiten vor und fungiert in der Umsetzungsphase als Ansprechperson. Das Projekt kann ein komplexes Thema oder eine komplexe Fragestellung mit mehreren L\u00f6sungsans\u00e4tzen behandeln. Nachdem der Ablauf des Kleinprojekts und die verbindlichen Regeln in der Klasse besprochen wurden, erarbeiten die Kinder in kleinen Projektgruppen unterschiedliche Inhalte zu einem gew\u00e4hlten Thema. Die Lernenden planen die Arbeitsschritte, die Durchf\u00fchrung und die Pr\u00e4sentation gemeinsam, daf\u00fcr brauchen sie Sozial- und Kommunikationskompetenz und die Bereitschaft, miteinander zu kooperieren. Zudem werden Zeitmanagement sowie Konflikt- und Kritikf\u00e4higkeit auch gef\u00f6rdert. Die Mitglieder sollen ihre individuellen F\u00e4higkeiten gelten lassen, damit sie gemeinsam als Mannschaft das Ziel erreichen k\u00f6nnen. Nach den Pr\u00e4sentationen sollten sowohl die Sch\u00fclerInnen als auch die Lehrperson eine Bewertung vornehmen und Reflexion durchf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Werkstattlernen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelpunkt stehen die Sch\u00fclerInnen, die die gelernte Theorie durch experimentierendes Lernen in der Praxis ausprobieren k\u00f6nnen. Es werden kognitive Funktionen beansprucht und gef\u00f6rdert. Meistens entsteht ein Endprodukt, das die Lernenden selbst erstellen, deswegen ist diese Lernform produktorientiert. Die Selbstst\u00e4ndigkeit hat eine gro\u00dfe Bedeutung, denn die Zeiteinteilung, die Sozialform, der Inhalt werden den Lernenden \u00fcberlassen. Eine Lernwerkstatt kann oft \u00fcber mehrere Wochen laufen, wodurch die Vorbereitung f\u00fcr die Lehrkraft mit einem erheblichen Aufwand verbunden ist. Bei der Erstellung der Materialien und Aufgaben sollte sie die individuellen Interessen der Lernenden ber\u00fccksichtigen. Um den Begriff pr\u00e4ziser zu definieren, die Werkstattarbeit \u201ebezeichnet das materialgest\u00fctzte, erfahrungsorientierte Lernen in einer p\u00e4dagogisch gestalteten Umgebung. Die Sch\u00fcler haben jederzeit die M\u00f6glichkeit, Einfluss auf den inhaltlichen Verlauf der Arbeit, auf die methodischen Vorgehensweisen und auf die Wahl der Partner zu nehmen. Werkstattarbeit ist abh\u00e4ngig vom aktiven Engagement der Sch\u00fcler.\u201c (Paradies\u2013Linser 2001)<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Stationenlernen<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eStationenarbeit bezeichnet ein Lernarrangement, bei dem themendifferenzierte Aufgaben mit Materialien und Arbeitsanleitungen an ortsfesten Stationen erarbeitet werden. Die Stationen k\u00f6nnen entweder systematisch aufeinander aufbauen, dann m\u00fcssen sie im vorgeschriebenen Kreislauf erarbeitet werden, oder sie k\u00f6nnen sich thematisch erg\u00e4nzen, dann ist die Reihenfolge der Bearbeitung freigestellt\u201c (Paradies\u2013Linser, 2001). Ein Thema wird aus mehreren Teilgebieten zusammengesetzt, dazu werden Stationen mit unterschiedlichen Aufgaben angefertigt. Die Anzahl der Stationen h\u00e4ngt von der Sch\u00fclerzahl, von dem Thema, von der Zeit und von den r\u00e4umlichen M\u00f6glichkeiten ab. Am Anfang der Stunde sollte erst eine Einweisung erfolgen, damit sp\u00e4ter je nach Absprache die Sch\u00fclerInnen entweder allein, zu zweit oder in Gruppen selbstst\u00e4ndig arbeiten k\u00f6nnen. Die Reihenfolge, welche Aufgabe wann gel\u00f6st wird, kann von der Lehrperson festgelegt werden, aber meistens entscheiden dar\u00fcber die Sch\u00fclerInnen individuell. Die Aufgaben k\u00f6nnen unabh\u00e4ngig voneinander gemacht werden. Wie viel Zeit an einer Station mit der L\u00f6sung verbracht wird, k\u00f6nnen sich ebenfalls die Lernenden selbst einteilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Idealfall werden alle Stationen aufgesucht und alle Aufgaben gel\u00f6st. Es wird die Sozial-, Kommunikationskompetenz, sowie die Selbstst\u00e4ndigkeit, die kognitive und Kooperationsf\u00e4higkeit der Sch\u00fcler gef\u00f6rdert. Die Lehrperson ist in der Vorbereitung und Zusammenstellung der Materialien aktiv in der Arbeit beteiligt, aber sie bleibt w\u00e4hrend der Unterrichtsstunde im Hintergrund. Am Anfang der Stunde bekommen die Lernenden einen sogenannten Laufzettel, der f\u00fcr einen \u00dcberblick sorgt. Auf dem Zettel kann von den Sch\u00fclern selbst markiert werden, welche \u00dcbungen noch gemacht werden sollten, wie viele Punkte sie erreicht haben, und er erm\u00f6glicht eine Bewertung hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades der einzelnen Stationen zu \u00e4u\u00dfern. Die Kontrolle der L\u00f6sungen sollte durch die Lernenden gemacht werden. Den L\u00f6sungsschl\u00fcssel findet man an allen Stationen oder es kann auch eine extra Station mit den L\u00f6sungen angefertigt werden. (Icha 2017) Es gibt unterschiedliche Stationentypen, wie Bauer (1997) ausf\u00fchrte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><em>Wahlstation, Pflichtstation:&nbsp;<\/em>die Pflichtstationen sollten von allen besucht werden, aber aus den Wahlstationen k\u00f6nnen die Lernenden frei w\u00e4hlen.<\/li>\n\n\n\n<li><em>Pufferstation:&nbsp;<\/em>unterst\u00fctzt die Differenzierung in einer Klasse. Falls einige Sch\u00fclerInnen schneller die Aufgaben gel\u00f6st haben, als die anderen, und die Stunde noch nicht zu Ende ist, dann ist es von Vorteil, wenn sie weiterhin besch\u00e4ftigt werden. An Pufferstationen kann man extra Aufgaben planen. Diese Stationen k\u00f6nnen aber auch f\u00fcr Entlastung, f\u00fcr Entspannung sorgen.<\/li>\n\n\n\n<li><em>Kontrollstation:&nbsp;<\/em>falls wir die L\u00f6sungsbl\u00e4tter nicht verteilen wollen, dann kann es eine extra Station daf\u00fcr geben.<\/li>\n\n\n\n<li><em>Servicestation:&nbsp;<\/em>es wird hier eine Art Hilfe angeboten, indem wir B\u00fccher, W\u00f6rterb\u00fccher, Landkarten, n\u00fctzliche Ger\u00e4te, usw. bereitstellen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><a>Fazit<\/a><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Implementierung offener Unterrichtsformen erweist sich als eine m\u00f6gliche Antwort auf die Herausforderungen durch st\u00e4ndige Ablenkungen und erg\u00e4nzt den Frontalunterricht auf kreative, abwechslungsreiche und sinnvolle Weise. Sie erm\u00f6glicht individualisiertes Lernen; bietet mehr Freiheit; f\u00f6rdert unter anderem die Selbstst\u00e4ndigkeit, die Verantwortung, die Kommunikations- und Teamf\u00e4higkeit, sowie Zeitmanagement und die Nutzung von Wissen und Informationen. Die methodische Bandbreite belegt, dass selbstgesteuertes Lernen sowohl fachliche als auch \u00fcberfachliche Kompetenzen nachhaltig st\u00e4rkt. Im Zentrum stehen dabei die Sch\u00fclerInnen und ihre Bed\u00fcrfnisse. Durch eine fundierte Planung und eine aktive Lehrerbegleitung kann offener Unterricht eine motivierende Umgebung des Lernens schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fot\u00f3: MooreCo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">LITERATURVERZEICHNIS<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Bauer, R. (1997). Sch\u00fclergerechtes Lernen in der Sekundarstufe I: Lernen an Stationen, Berlin, Cornelsen Scriptor&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Breidenstein, G. et al. (2017). Die Organisation individualisierten Unterrichts. In G. Breidenstein &amp; S. Rademacher (Hrsg.), Individualisierung und Kontrolle. Empirische Studien zum ge\u00f6ffneten Unterricht in der Grundschule (S. 17\u201374). Springer VS.<\/li>\n\n\n\n<li>Br\u00fcgelmann, H. (1997). Die \u00d6ffnung des Unterrichts mu\u00df radikaler gedacht, aber auch klarer strukturiert werden \u2013&nbsp;<a href=\"https:\/\/tu-dresden.de\/gsw\/ew\/ibbd\/sp\/ressourcen\/dateien\/forschung\/online-archiv\/Bruegelmann_Oeffnung_Unterricht.pdf?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/tu-dresden.de\/gsw\/ew\/ibbd\/sp\/ressourcen\/dateien\/forschung\/online-archiv\/Bruegelmann_Oeffnung_Unterricht.pdf?lang=de<\/a>&nbsp;(Zugriff am 02.06.2026)<\/li>\n\n\n\n<li>Fischer, E. (2008). Bildung im F\u00f6rderschwerpunkt geistige Entwicklung. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn. S. 150- 169.<\/li>\n\n\n\n<li>Frey, K. (2000). Die Projektmethode. In: Wiechmann, J\u00fcrgen. (Hrsg.). Zw\u00f6lf Unterrichtsmethoden. Vielfalt f\u00fcr die Praxis. Beltz, Weinheim und Basel. S. 155- 162.<\/li>\n\n\n\n<li>Heinzel, F. \u2013 Koch, K. (2017). Individualisierung im Grundschulunterricht: Anspruch, Realisierung und Risiken (Jahrbuch Grundschulforschung). Wiesbaden: Springer VS.<\/li>\n\n\n\n<li>Hubner, D. (2024). Sch\u00fclerInnen Partizipation und Selbstbestimmung durch \u00d6ffnung von Unterricht erm\u00f6glichen. Zeitschrift f\u00fcr Inklusion, 19(2), 82-105.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.inklusion-online.net\/index.php\/inklusion-online\/article\/view\/790\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.inklusion-online.net\/index.php\/inklusion-online\/article\/view\/790<\/a>&nbsp;(Zugriff am 03.06.2026.)<\/li>\n\n\n\n<li>Icha M. (2017). Portfolio. Mein Weg zum Traumberuf. PTE-BTK, P\u00e9cs.<\/li>\n\n\n\n<li>Paradies L. \u2013 Linser H.-J. (2001). Differenzieren im Unterricht. Cornelsen, Berlin.<\/li>\n\n\n\n<li>Peschel, F. (2006). 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Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Webseite<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"http:\/\/www.montessori.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.montessori.de<\/a>&nbsp;(Zugriff am 03.06.2026)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in einer Zeit der Handy- und Internetsucht. Die Angst, etwas zu verpassen (FOMO) und die sofortige Verf\u00fcgbarkeit von Informationen haben uns darauf konditioniert, kontinuierlich nach neuen Reizen zu suchen. 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